* mehr
Aktuelles
AD(H)S
Hypoaktivität
Leben mit AD(H)S
Diagnostik/Diagnose
Komorbiditäten
Ergotherapie
Therapie
Literatur
Lyrisches
|
ADHS ohne H
Ich bin bekennender (allerdings noch nicht 100prozentig diagnostizierter) AD(ohne H)Sler mit hypoaktiver Symptomatik in 36jähriger weiblicher Ausführung.
Nicht 100prozentig diagnostiziert heißt im Klartext, ich bin noch mitten in der Suche nach einem FACHmann, der das diagnostiziert, was ich eigentlich schon ziemlich sicher weiß. Woher diese meine "ziemliche" Sicherheit kommt? Von meinen über 22 Jahren alltäglicher Erfahrungen, Schwierigkeiten und Symptome. Ein Symptom (oder besser eine Komorbidität) sind immer wieder auftretende depressive Phasen, die dann einsätzen, wenn das Chaos zu umfangreich wird, dass ich es nicht mehr bewältigen kann. Bislang bin ich eben auf diese Depressionen behandelt worden, leider nur so erfolgreich, dass diese mich für kurze Zeit mal aus ihren Klauen ließen. Zu meinem Entsetzen stellte ich jedoch fest, dass ich mich auch dann nicht wirklich wohl fühlte. In insgesamt fünf tiefenpsychologisch orientierten Therapien (zwei davon teilstationär) habe ich sehr aktiv Kindheit, Jugend bis zur Gegenwart aufgearbeitet. Doch nichts von diesen Erkenntnissen erklärt, wieso es mir in regelmäßigen, immer kürzer werdenden Abständen immer wieder sehr schlecht geht. Nun hat so eine Periode schon seit über einem Jahr mich und mein Leben im Griff. Trotz anfänglicher medikamentöser Therapie mit verschiedensten Antidepressiva trat keine deutliche Besserung ein. Völlig frustriert und von den Ärzten enttäuscht begab ich mich auf die Suche nach Antworten auf all meine Fragen. Ich ließ die Suchmaschinen rauf- und runterrattern mit Suchbegriffen der einzelnen Symptome, mit möglichen Krankheitsbildern und Erfahrungsberichten. Anfangs suchte ich nie direkt nach "ADS", gelangte über die angegebenen Links aber allzu oft durch die Eingabe der allgemeinen Suchbegriffe auf Fachseiten und Internetforen, die das Thema "ADS" thematisieren. Ich vertiefte mich in Erfahrungsberichte Betroffener, informierte mich näher auf den fachspezifischen Seiten, füllte Fragebögen aus... Und plötzlich fand ich mich verstanden. Die hatten ja alle ähnliche Probleme! Ich, ich zurückhaltendes, antriebsarmes Wesen sollte wirklich etwas gemeinsam haben mit einem ADSler? Wenn ich an AD(H!)S dachte, dann sah ich in meiner Vorstellung bis dato einen ständig in Bewegung befindlichen, zappeligen, unkonzentrierten, nur mit Mühe erziehbaren kleinen Jungen, der bei Kleinigkeiten völlig ausrastet und seine Umgebung terrorisiert. Und nun las ich, dass sich ADS nicht mehr wie bislang angenommen mit der Pupertät auswächst, sondern auch unter Erwachsenen existent ist. Des Weiteren las ich, dass sich die Symptomatik im Erwachsenenalter oft erheblich von der im Kindesalter unterscheidet. Zudem erhielt ich Informationen darüber, dass es verschiedene Typen dieser neurobiologischen Störung gibt. Im Kindesalter werden meist die chaotisch-unkonzentrierten, verträumten (hauptsächlich) Mädchen (aber auch Jungen) "übersehen". Durch ihre Art fallen sie nicht auf. Und das "Übersehen" passiert häufig auch dem hypoaktiven Erwachsenen, dessen Leidensdruck mindestens genauso hoch ist wie der des "ur-typischen" AD(H)Slers. Wenn man nicht genau hinschaut, wenn man die Lebensgeschichte und die Symptomatik nicht genau analysiert, haben die Beschwerden tatsächlich Ähnlichkeiten mit einer Depression (insbesondere die Antriebslosigkeit), die, wie oben kurz beschrieben, als komorbide Erkrankung im Rahmen einer ADS auftreten kann.
Schon daran kann man erkennen, wie schwierig aber auch wie wichtig eine entsprechende Diagnostik ist.
Mehr dazu, wieso ich mich nun unbedingt diagnostizieren lassen möchte und welche Anstrengungen ich bereits unternommen habe könnt ihr in einem meiner nächsten Posts lesen.
Chaostine
|
|
|
|